Die Maske muss enden können. Es braucht wenigstens einen inneren Ort, an dem kein Publikum über deine Antwort entscheidet. Dort benennst du, was du gezeigt, verschwiegen, empfunden und gewollt hast. Dort darf eine Stärke müde werden, eine Gelassenheit ihren Schmerz eingestehen und eine Zustimmung als Feigheit erkannt werden. Was du vor anderen begrenzt hast, darfst du vor dir selbst nicht auslöschen. Wer diesen Ort verliert, verliert auch die Hand, die die Maske ablegen könnte.
Wenn du den Saal erneut betrittst, ist er nicht wahrer geworden. Noch immer wird gelächelt, genickt und an den richtigen Stellen gelacht. Noch immer werden manche Wahrheiten willkommen geheißen und andere leise aus dem Raum gedrängt. Der Mensch vom Anfang muss deshalb nicht lernen, falsch zu werden. Er muss lernen, dass selbst ein redliches Urteil eine Form, einen Zeitpunkt und ein Gegenüber braucht. An seiner Stelle trittst du weder schutzlos ein noch als zynischer Schauspieler ohne Inneres. Du liest die Bühne, wählst deine Form und entscheidest, wem du Einblick gewährst. Darin besteht die Prüfung: Die Maske muss in deiner Hand bleiben, auch wenn der Raum sie belohnt. Dein Gesicht ist nicht für jedes Publikum bestimmt. Für dich selbst muss es erkennbar bleiben.
Du musst den Maskenball nicht verlassen. Du musst nur aufhören, ihm dein Gesicht als Eintrittspreis zu geben. Trage nur, was du vor dir selbst verantworten und wieder ablegen kannst. Denn wer zu lange nur die Gestalt spielt, die andere sehen wollen, steht eines Tages allein vor dem Spiegel – und wartet vergeblich darauf, dass jemand ihm sagt, wer er ist.